2017-09-05

Beginn der ersten Sandplay-Therapy und Lifeline-Therapy

Wir haben gestern beschlossen, heute unter unserer Anleitung mit den ersten beiden Therapiegruppen zu beginnen. So kamen um 10:00 Uhr 8 Kinder und  8 Lehrer zur ersten Sandspielgruppe, die von Rajani, der Psychologin geleitet wurde. Die Kinder, 6 Mädchen und 2 Jungs zwischen 6 und 12 Jahren, allesamt Bewohner aus dem Happy Home, waren extrem konzentriert und motiviert dabei. Die meisten befassten sich mit Orientierung, Sicherheit finden und dem für ihre Verhältnisse unüblichem Übermaß an Spielsachen. Wie wir es bereits bei den Flüchtlingen kennen, horteten vor allem die Jüngeren zunächst so viele Spielsachen, wie sie konnten um und in ihre(n) Sandkisten, bis im Laufe der Stunde szenisches Spiel möglich war. Wie erwartet kam auch hier der Wechsel vom (vermeintlichen) Chaos hin zu mehr Ordnung nach der Stabilisierung mit der liegenden 8. Ein Mädchen zeigte dissoziative Symptome und wurde mit entsprechenden erlernten Techniken reorientiert und stabilisiert. Da unser Konzept ein hohes Maß an Struktur enthält, konnte die Psychologin sich gut daran orientieren und der Gruppe Halt geben. Im Erfassen der Dissoziationen bedarf es noch Übung und Erfahrung, was höchst nachvollziehbar ist und über weiteres Coaching per Videokamera und Skype von uns unterstützt wird. Im Anschluss erhielten die TraumaHelfer eine Stunde Supervision zur Besprechung der persönlichen Erlebnisse und Befindlichkeiten sowie zur Wiederholung der im Kurs gelernten Stabilisierungstechniken, um sie im Therapiesetting sukzessive gezielt und automatisiert anwenden zu können.
Danach folgte die erste Stunde Lifeline-Therapie mit vier Mädchen. Die Mädchen bekamen ebenfalls je einen geschulten TraumaHelfer an die Seite gestellt und Rajani, die als Dolmetscherin alle 8 Kurstage begleitete und dabei lernte, leitete auch diese Gruppe souverän. Die Mädchen legten ihre Lebenslinien mit den positiven und belastenden Lebensereignissen, die TraumaHelfer erstellten für jedes Mädchen eine enstprechende Traumalandkarte und es wurde das “best experience” mittels Bild und EMDR als Sicherer Ort verankert. Die TraumaHelfer lernten, bei einem früh traumatisierten Kind, das beide Eltern verloren hat, einen Sicheren Ort ausfindig zu machen, der trotz Schicksal rundum stärkend und positiv besetzt ist und es wurde allen die Bedeutung des Happy Homes noch einmal sehr bewusst, denn die meisten Mädchen nannten ihre Ankunft im Happy Home als unbelastetes “best experience”. Bewusst wurde auch die Notwendigkeit, sich für diese Arbeit sehr viel Zeit zu nehmen, um ein wirklich absolut sicheres inneres Gefühl zu etablieren, auf das die Mädchen in der Traumabearbeitung zurück greifen können.
Natürlich fand auch im Anschluss an diese Stunde Supervision für die TraumaHelfer statt, die viel emotionaler war, denn die Mädchen erzählten während der Therapiestunde den TraumaHelfern Ausschnitte ihrer Biografie, die die Traumahelfer nun ihrerseits verarbeiten mussten.
Insgesamt war der Start gelungen und wir sind gespannt auf die ersten Videodokumentationen.

Beate - 13:53:13 @ Indien Woche 3 | Kommentar hinzufügen

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